Crowdsourcing – Eine Begriffsdefinition
Crowdsoursing – schon oft gehört, nie verstanden und deshalb nachgeschlagen.
Wikipedia sagt: Crowdsourcing bzw. Schwarmauslagerung bezeichnet im Gegensatz zum Outsourcing nicht die Auslagerung von Unternehmensaufgaben und -strukturen an Drittunternehmen, sondern die Auslagerung auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer Masse von Freizeitarbeitern im Internet. Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert bereitwillig Inhalte, löst diverse Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt (vgl. Schwarmintelligenz). Crowdsourcing ist ein 2006 von Jeff Howe und Mark Robinson (Wired Magazine) geprägter Neologismus.
Crowdsourcing kann auch als Form des elektronischen Handels stattfinden und wird in diesem Zusammenhang als Social Commerce bezeichnet. Dabei werden Kunden eines Anbieters zu „persönlichen Filtern anderer Kunden“ und helfen diesen das bestmögliche Angebot zu finden.
Journalismus verändert sich durch Social Media
Gedruckte Zeitungen sterben derzeit, den Startschuss gab in der vergangenen Woche die Chicago Tribune in den USA. Diese erscheint jetzt nur noch als Online-Medium. Weitere große Titel stehen ebenfalls kurz vor dem aus, wenn man den Medienberichten glauben schenkt. Was bedeutet das?
Die Medienlandschaft verändert sich
Ausgelöst durch den Informationsüberfluss aus dem Internet verändern sich die Wege zur Informationsbeschaffung. Heute sind Google und Co. die ersten Recherchemedien. Und das Internet ist schneller. Spätestens seit Twitter und der Notwasserung des Flugzeugs auf dem Hudson, wissen wir, wie man eine Nachricht in weniger als einer Stunde auf der ganzen Welt verbreiten kann. Zeitungen schaffen das nicht. Sie dokumentieren es nur noch.
Der Journalismus bekommt Wettbewerb
Der klassische Journalismus bekommt durch das Internet mehr und mehr Wettbwerb. Bisher wurden Informationen von Journalisten gefiltert, bewertet und hinterfragt, bevor diese über die Publikation eine Öffentlichkeit erfuhren. Das Internet bietet auch hier Alternativen für den Gang an die Öffentlichkeit. Bürgerjournalismus heißt das dann und meint insbesondere Blogs. Ariana Huffington, die „Königin der Blogger“, gab sueddeutsche.de dazu ein interessantes Interview (Zum Artikel).
Die Zukunft der Medien – auch eine Frage der Ethik
Qualitätsjournalismus, das kann der Wettbewerbsvorteil redaktionell geführter Medien sein. Wäre da nicht der schleichende Vertrauensverlust in eben diese Qualität der Berichterstattung. Dieser resultiert aus einer veränderten Aufbereitung. Aus Information wird Meinungsmache – nicht mehr nur bei den großen Boulevard-Zeitungen. Diese Art des Journalismus ist vermehrt auch in den „seriösen“ Titeln anzutreffen.
Recherche wird zur Nebensache
Ein Indiz dafür sind zum Beispiel Fotografien, die aus dem Internet geladen und ohne abgeklärte Rechte genutzt werden. Zugrunde liegt dabei meist die kaufmännische Abwägung zwischen potenziellen Ertrag und der Höhe der Schadensersatzklage. Dazu wird flüchtig und unsauber recherchiert und teilweise sogar bewusst verfälscht. Und genau das sind Vorwürfe, mit denen sich der professionelle Journalismus auseinandersetzen muss.
Der aufkeimende Bürgerjournalismus ist gerade an dieser Stelle im Vorteil, denn hier müssen keine Auflagen verkauft werden. Und auch den Kommentar-ähnlichen Charakter manches Artikels verzeiht man hier sehr leicht. Hier kann sich guter Journalismus auf der Basis ethischer Werte glaubwürdig differenzieren. Und das ist die Chance für die Verlage.
Social Media und die Tücken des Mitmach-Journalismus
Seit einiger Zeit gibt es das Magazin „Der Freitag“, eine inhaltlich und auch optisch sehr ansprechende Zeitung auf Papier. Soweit nichts ungewöhnliches. Dennoch rumort es deutlich vernehmbar im Umfeld des Blattes. Denn anders, als andere Zeitungen existiert neben der Papierversion eine eigene Der Freitag-Bloglandschaft – Die Community, wie es Der Freitag nennt. Dort können von angemeldeten Nutzern in eigenen und fremden Blogs Themen veröffentlicht und kommentiert werden. User generated Content im Umfeld eines journalistisch gedachten Titels. Mitmach-Journalismus im Web 2.0, mit immerhin schon 20% Leserbeiträgen in der Printausgabe.
Die Krise und das Krisenmanagement
Nun gibt es vernehmbare Kritik auf mehreren Ebenen. Verleger Jakob Augstein bezieht dazu ausführlich in seinem Blog Stellung (Hier den Beitrag lesen). Technische Mängel werden anerkannt und Besserung gelobt. Und auch das Kritikverhalten wird kritisiert. Die verschiedenen Kommunikationseben werden dabei geschickt erläutert – eine wichtige Maßnahme bei der Deeskalation. Eine durchdachte und schlaue Reaktion, wie wir finden.
Trotzdem gibt es verschiedene Punkte, die auf einen fortwährenden Konflikt zwischen Machern und Mitmachern hinweisen:
- Nichts wird im Meinungs-Internet so intensiv, kontrovers und auch undiszipliniert diskutiert, wie Politik. Jeder hat eine Meinung und viele Argumente, diese zu vertreten.
- Als Redaktion hat Der Freitag zusätzlich eine eigene (Verlags)Meinung. Diese wird von der mitmachenden Öffentlichkeit ebenfalls kontrovers bewertet.
- Gruppendynamische Prozesse bieten zusätzlichen Nährstoff für Konflikte.
- Im Reizklima politischer Diskussionen ist eine neutrale Moderation notwendig – die gibt es scheinbar nicht.
- Nahm man früher an, dass nur Nutzer nur aus der Deckung der Anonymität heraus flamen und spammen, so weiß man spätestens seit Xing, dass es auch trotz des Bezuges zur realen Identität intensiv passiert.
- Jakob Augstein gibt zu, dass er und sein Team aus einem papierjournalistischem Umfeld kommen. Die Dynamik und manchmal erschlagende Offenheit von Social Media hat er nicht verinnerlicht.
Dennoch: Wir finden das Projekt Der Freitag toll und hoffen, dass diese Startschwierigkeiten überwunden werden. Mitmach-Journalismus ist eine der Chancen, aus Social Media heraus vielfältige Meinungen abzubilden.
Aus den gemachten Fehlern kann man zudem viel lernen. Insbesondere, die Bedeutung von neutraler Moderation und offener Kommunikation für diese Art Medium wird deutlich. Ebenso, wie die Tatsache, dass Social Media anders funktioniert als „Print“, denn die kritische Lesermeinung ist nur einen Klick entfernt. Das gilt für Presse gleichermaßen, wie für Communities. Und es macht deutlich, wie wichtig sensibles und medienkompetentes Agieren in diesem Umfeld ist.
