Marco Ripanti: Das Netz lebt seit jeher von Offenheit

In unregelmäßigen Abständen befragt Network Relations Fachleute, Trendsetter, Forscher und Mitmacher aus dem Bereich Social Media.

Diesmal sprechen wir mit Marco Ripanti, Inhaber der Agentur Ekaboo und Chef der Internetplattform YIID über das Thema Offenheit, Schutz der Privatsphäre und Datenschutz in Sozialen Netzwerken. YIID wurde übrigens für die INTERNET WORLD Business-Idee 2010 nominiert.

Network Relations: Herr Ripanti, der Gründer von Facebook, Mark Zuckerberg, sorgte Anfang dieses Jahres für Wirbel, als er das Ende des Datenschutzes ausrief (Quelle). Wie haben Sie diese Diskussion erlebt?

Marco Ripanti: Zuckerberg hat sich sicherlich keinen Gefallen getan mit seinen Äußerungen. Die Kontroverse um Facebooks veränderte Privatsphäreneinstellungen kochte ja bereits seit Ende des vergangenen Jahres hoch und erzeugte ein überaus negatives Echo, sowohl bei den Usern, als auch in den Medien. Dass sich Zuckerberg dann in einem Interview so aus der Reserve locken lässt und eine, in meinen Augen mehr als lapidare Begründung für die Offenlegung von ungeheuren Mengen an User-Informationen abliefert, zeugt nicht gerade von Feinfühligkeit für das aktuelle öffentliche Meinungsbild. Natürlich muss man auf der anderen Seite berücksichtigen, dass Facebook niemanden dazu zwingt, den Suchmaschinen Einblick in sein Profil zu gewähren. Dies lässt sich über die Einstellungsmenüs ja wieder korrigieren. Was die Sache wirklich problematisch macht und einen längeren Nachhall erzeugt, ist der vermittelte Eindruck, Zuckerberg und Facebook wüssten, wohin sich soziale Normen bewegen. Das wirkt anmaßend und spricht dem Netzwerk bzw. seinen Betreibern eine Bedeutung zu, die ich für übertrieben halte. Die Bedürfnisse und durchaus vorhandenen Befürchtungen und Ängste vieler User dürfen nicht mit dem Glauben an einen „allgemeinen Trend“ einfach abgebügelt werden. Anders ausgedrückt: Die Änderung der Privatsphäreeinstellungen auf Facebook hätte „demokratischer“ durchgeführt und der Öffentlichkeit mit einer fundierteren Begründung präsentiert werden müssen. Getreu dem Motto: “You don’t own a community“.

Wie betrachten Sie die Problematik mit der neuen Offenheit im Netz? Bzw. ist es überhaupt eine Problematik?

Zunächst stellt sich die Frage, was ist die neue Offenheit überhaupt? Das Netz lebt seit jeher von Offenheit, kreativen Synergien, Wissensaustausch und der Überwindung von Grenzen. Der daraus entstandene Nutzen für die Menschen ist zweifelsohne gewaltig, im beruflichen wie privaten Sektor. Was wir aktuell erleben und sich am ehesten als neue Offenheit beschreiben lässt, ist für mich die zunehmende Möglichkeit, zwischen Plattformen zu interagieren und diese miteinander zu vernetzen. Mit wenigen Klicks ist es mir nun möglich, mehrere Netzwerke mit meinen Statusupdates zu füttern, Kontakte zu importieren oder Bekannte in weiteren Netzwerken zu finden. Der Zugang zu Einzelpersonen ist darüber hinaus so leicht wie nie zuvor. Bestes Beispiel dafür ist sicherlich die Flut an Prominenten, an deren Leben man jetzt bei Twitter fast aus nächster Nähe teilhaben kann.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang den Wunsch nach Abgrenzung – heißt, im realen Leben teilt man auch nicht alle Informationen mit jedem – wie organisiert man das im Web?

Jedem Skeptiker sei gesagt, dass das Internet einen nicht zwingt, Informationen mit Dritten zu teilen. Das scheint momentan gerne in Vergessenheit zu geraten. Es bleibt immer noch meine eigene Entscheidung, ob und wie aktiv ich mich im Netz präsentiere und wie ich Privatsphäre persönlich definiere. Wer ein starkes Mitteilungsbedürfnis hat, kann seine Präferenzen genauso ausleben, wie jemand, der eher zurückhaltend ist und lieber eine Beobachterperspektive einnehmen möchte. Es gilt also, für sich die richtige Art der Teilnahme festzulegen. Was möchte ich eigentlich im Netz erreichen, wie möchte ich mich präsentieren, wo liegen meine Interessensschwerpunkte? Diese Fragen sollten beantwortet sein, dann steht einer angenehmen „Netzexistenz“ nichts im Wege. Zusätzlich sollte man über die Netzwerke, an denen man teilnimmt im Bilde sein, sich mit den Privatsphäreeinstellungen vertraut gemacht haben und diese nach eigenem Ermessen nutzen. Um noch einmal auf Facebook und Twitter zurückzukommen: Gerade in diesen beiden, teils heftig für ihre Offenheit kritisierten Social Networks zeichnet sich eine prägnante Veränderung der Netzwerk-Kultur ab, nämlich der Austausch von Nachrichten und Ereignissen aus dem globalen Rahmen. Die persönliche Statusmeldung wird oftmals als Nachrichtenmedium mit Verweis auf andere Quellen genutzt und weniger zur direkten Interaktion mit Bekannten und Freunden. Die preisgegebene Information enthält also oftmals weit weniger Erkenntnisse über den Veröffentlichenden selbst, als man vermuten würde.

Sie bieten selbst mit YIID ein Produkt an, was im weiteren Sinne diese Problematik bedient. Welche Philosophie verfolgen Sie dabei?

YIID ist ein sehr vielschichtiges Projekt, das in der Tat mit den gerade diskutierten Problemen zu tun hat. Die Idee hinter YIID ist im Grunde jedoch denkbar einfach: Wir bewegen uns im Netz meist auf einer Vielzahl von Plattformen und stellen uns dementsprechend passend zu dem im jeweiligen Netzwerk herrschenden „Kodex“ dar. Wie wäre es, alle Online-Identitäten eine Users auf einer einzigen Seite zusammenzubringen? Auf www.yiid.com bekommt der Besucher ein Profil mit einer festen Internetadresse zugewiesen, die gleichzeitig über die sogenannte OpenID Authentifizierung auf anderen Seiten zur Anmeldung verwendet werden kann. Dieses Profil funktioniert wie eine elektronische Visitenkarte. Ich gebe Informationen über mich an und kann auf dieser Visitenkarte sämtliche von mir genutzte Internet Communities anzeigen lassen. YIID bündelt also zahlreiche Onlineprofile und ermöglicht mir gleichzeitig, mich barrierenfrei im Netz zu bewegen, ohne ständig neu Profildaten eingeben zu müssen. Zusätzlich bieten wir dem Nutzer ein Archiv von mittlerweile über 1000 Social Networks, die man passend zu den eigenen Interessen durchforsten und nutzen kann.

Was meinen Sie, wie sollte man die Datenschutzproblemtik lösen und wie wird sie vermutlich tatsächlich durch die Politik gelöst?

Die Datenschutzproblematik ist von einer solchen Komplexität, dass man als Einzelperson unmöglich eine umfassende Bewertung dazu abgeben kann. Sicherlich sollte jeder die Möglichkeit bekommen, Herr über seine Daten zu sein. Wie das letztlich technisch umgesetzt wird, obliegt den jeweiligen Anbietern der Dienste. Ich persönlich befürchten allerdings, dass die Politik gerade in Deutschland versuchen wird, den Anbietern vorzuschreiben, wie eine solche Realisierung von Maßnahmen auszusehen hat, was im Gegensatz zu meiner Vorstellung von einem offenen Web steht. Statische Mechanismen und Richtlinien sind – bei allem Respekt vor dem Datenschutz – immer auch eine Gefahr für die freie Entwicklung im Internet. Wir stehen also vor einem sehr schwierigen Grenzgang zwischen dem notwendigen Schutz von personenbezogenen Daten und einer möglichen Einschränkung der Entwicklungsfreiheit.

Vielen Dank für Ihre Gedanken, wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ekaabo und YIID!

Weitere Informationen über Marco Ripanti finden Sie hier:

https://www.xing.com/profile/Marco_Ripanti
http://de.linkedin.com/in/ripanti

Stefan Groß-Selbeck: „Das Prinzip der ‘walled gardens’ hat sich überlebt“

In unregelmäßigen Abständen befragt Network Relations Fachleute, Trendsetter, Forscher und Mitmacher aus dem Bereich Social Media. Diesmal sprechen wir mit Stefan Groß-Selbeck, seit Januar 2009 der neue CEO der Xing AG. Der vorherige Geschäftsführer von Ebay Deutschland übernahm den Job von Gründer Lars Hinrichs, der in den Aufsichtsrat wechselte.

Network Relations: Herr Groß-Selbeck, Sie sind nun ein halbes Jahr bei Xing in Amt und Würden, wie schmeckt Ihnen Xing mit seinen vielen Mitgliedern und deren vielen Wünschen?
Stefan Groß-Selbeck: Ich denke, es waren gute erste Monate und freue mich besonders darüber, dass wir Xing in der Zeit weiterentwickelt und unser Innovationstempo deutlich beschleunigt haben. Dabei spielen die Wünsche unserer Mitglieder eine wichtige Rolle, denn von den Ideen, aber vor allem auch von den Verbesserungsvorschlägen und der Kritik unserer Nutzer lernen wir am besten, wie wir unsere Plattform weiter optimieren können. Deshalb haben wir vor kurzem das Feedback-Tool „UserVoice“ eingeführt, um die zahlreichen Wünsche und Anforderungen der Mitglieder zu bündeln und reibungslos in die Weiterentwicklung einfließen lassen zu können. Letzlich hängt unser Erfolg wesentlich davon ab, Geschäftsleuten ein immer effektiveres Netzwerken auf Xing zu ermöglichen, dass aber natürlich auch Spaß bringen soll.

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen, haben Sie sich ganz klassisch beworben?
Lars Hinrichs und ich kennen uns schon länger und natürlich verfolge ich Xing als eines der erfolgreichsten deutschen Internet-Unternehmen seit Jahren mit großem Interesse. Ich bin selbst seit April 2006 Mitglied und kenne Xing selbstverständlich auch als Nutzer. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, Lars Nachfolger zu werden, war ich spontan begeistert.

Nach der kurzen Zeit kann man als Außenstehender schon deutlich eine andere Handschrift erkennen. Wie betrachten Sie Ihre Aufgabe, wo unterscheiden Sie sich von Lars Hinrichs?
Natürlich setzt jeder seine eigenen Akzente – das ist ja völlig normal. Ich sehe meine Aufgabe darin, Xing auf Wachstumskurs zu halten. Das setzt in erster Linie voraus, dass wir unsere Plattform so weiter entwickeln, dass sie immer mehr Wert schafft für unsere Nutzer. Wir sind schon heute das Business-Netzwerk mit der höchsten Aktivität weltweit – das zeigt, dass wir da auf einem sehr guten Weg sind. Denn nur zufriedene Nutzer kommen regelmäßig zurück auf die Plattform. Deswegen war es mir wichtig, gleich in meinen ersten Monaten eine Reihe von neuen Funktionen und Features auf die Seite zu bringen.

Wie wirkt sich das im Produkt aus, bzw. was davon bemerkt der Kunde – wo setzen Sie Schwerpunkte?
Mit den neuen Features bieten wir unsere Kunden bereits auf der eigenen Startseite mehr Möglichkeiten, sich erfolgreich zu vernetzen und ins berufliche Gespräch zu bringen. So haben wir z.B. die Funktionalität „Mitglieder, die Sie kennen könnten” eingeführt, die sehr gut angenommen wird. Über „Xing Mitglieder fragen“ können Nutzer jetzt Fragen an das gesamte Netzwerk stellen und es gibt mit den „Xing News“ auch Business-Nachrichten vom Handelsblatt, der Financial Times und anderen Medien direkt auf der Plattform, die kommentiert und zum Lesen empfohlen werden können. Außerdem haben wir auch Unternehmensprofile eingeführt, die kostenlos und automatisch angezeigt werden und die ersten OpenSocial Applikationen gelauncht. Das ist aber erst der Anfang und wir wollen das Innovationstempo weiter hoch halten.

Außerdem sind Recruiter eine wichtige Zielgruppe für unsere Mitglieder und damit auch für Xing. Unsere Plattform wird bereits heute von mehr als 40 Tausend Personalentscheidern und Headhuntern genutzt, um bestgeeignete Kandidaten für neu zu besetzende Positionen zu finden. Ein weiteres Schwerpunktthema ist und bleibt die internationale Expansion.

In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff OpenSocial, ist diese neue Offenheit für Xing unabdingbar, um am Markt bestehen zu können?
OpenSocial ist ein sehr effizienter Weg, um unsere Plattform auch durch Anwendungen von Drittanbietern weiterzuentwickeln. Das Prinzip der „walled gardens“ hat sich überlebt und diese Standardschnittstelle schafft sehr vielseitige Möglichkeiten, zusätzliche Features und Services anbieten zu können.

Das wir mit Xing stark wachsen und erfolgreich als führendes europäisches Business Netzwerk agieren liegt allerdings nicht an einzelnen Features sondern daran, dass die Kontakte für das berufliche Fortkommen immer wichtiger werden. Das Arbeitsumfeld vieler Menschen verändert sich nicht nur wegen der Wirtschaftskrise schneller als je zuvor: Berufstätige wechseln immer häufiger den Arbeitgeber, Branche oder auch die Region. Sie müssen sich immer öfter bei neuen Zielgruppen ins Gespräch bringen und benötigen dazu ein effizientes Tool.

Über Xing können Geschäftsleute aber nicht nur vorhandene Kontakte pflegen, sondern auch neue Kunden hinzugewinnen, qualifizierte Mitarbeiter oder einen neuen Job finden. Dies sind nur einige Gründe warum immer mehr Berufstätige erkennen, dass persönliche Kontakte die besten Türöffner sind.

Hier geht es weiter

Interview mit Stefan Groß-Selbeck – Teil 2

Fortsetzung | Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Stefan Groß Selbeck.

Die Social Media Angebote Twitter und Facebook sind bereits gut miteinander verknüpfbar, wird Xing diese Funktionalität auch anbieten und sich so auf der inhaltlichen Ebene mit seinen Mitbewerbern verweben?
Xing hat einen klaren Business-Fokus und aus dem Feedback unserer Mitglieder wissen wir, dass sie sich vor allem beruflich relevante Features wünschen. Newsfilter, die schnell und kompakt anzeigen, was in ihrer Branche passiert oder wie in den Medien über das eigene Unternehmen berichtet wird, haben deshalb für uns eine deutlich höhere Priorität als die Anbindung an Freizeitangebote.

Wenn unsere Mitglieder aber Anbindungen zu anderen Social Media Anwendungen wünschen, sind wir dafür offen. Ein gutes Beispiel ist unser Eventbereich: Wer eine Veranstaltung über Xing organisiert oder besucht, kann dies direkt von unserer Plattform aus auch twittern und damit auch über diesen Kanal andere darauf aufmerksam machen.

Neu bei Xing ist übrigens auch das Feature „Twitter Buzz“, das Geschäftsleuten einen schnellen Überblick über aktuelle Trends und Meinungen zu unterschiedlichsten Themen verschafft. Dank der neuen Applikation können Mitglieder jetzt direkt bei Xing auch den weltweit führenden Kurznachrichtendienst live nach Stichworten durchsuchen. So lässt sich etwa der eigene Firmenname, der eines Wettbewerbers, eine anstehende Messe oder ein  Produktname als Suchbegriff verwenden, um zeitnah über Trends und Meinungen  auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie sehen zukünftige Differenzierungsmerkmale der verschiedenen Angebote aus? Was macht den Unterschied zwischen den großen Netzwerken Xing, Facebook und LinkedIn?
Wir unterscheiden uns nicht nur im Ansatz wesentlich von freizeitorientierten Netzwerken wie Facebook, sondern auch in der Art des Netzwerkens. Mitglieder auf Xing möchten Geschäftskontakte knüpfen, neue Geschäftsideen entwickeln und Kollegen und Bekannte wiederfinden. An ihrem Feedback sehen wir, dass sie eine Vermischung von privaten und beruflichen Inhalten nicht wollen.

Im Business-Networking-Markt ist Xing der europäische Marktführer. Was Xing vor allem auszeichnet, ist die aktive und lebendige Community. Business Networking macht dann Spaß und bringt echten Mehrwert, wenn Berufstätige in einer lebendigen Community sind und dort die für sie wertvollen Kontakte knüpfen können. Über 90 % der Premium-Mitglieder loggen sich regelmäßig auf XING ein. Das zeigt, wie aktiv sie sind und wie sehr Xing Teil ihres täglichen Berufslebens geworden ist.

Wir sehen, dass sich die Menschen über Xing nicht nur online vernetzen, sondern dass sie sich auch offline persönlich kennenlernen möchten. Unser Event-Angebot gehört zu unseren Kernkompetenzen. Allein im Jahr 2008 wurden insgesamt über 90.000 Live-Events mit insgesamt über einer halben Million Teilnehmer über Xing organisiert, vom Regionaltreffen in Izmir über den Business-Cocktail in Rom bis hin zum Unternehmer-Treffen in Valencia.

Xing-Mitglieder schätzen das Netzwerk zudem, weil sie um die Sicherheit und den Schutz ihrer persönlichen Daten wissen. Im Gegensatz zu amerikanischen Mitbewerbern richten wir uns nach den strengen deutschen und europäischen Datenschutzrichtlinien und bieten eine vollständige SSL-Verschlüsselung an, eine Verschlüsselungstechnik, die Banken für die Kontodaten ihrer Kunden beim Onlinebanking nutzen.

Glauben Sie, dass zukünftig jeder mehrere Profile haben und auch pflegen wird – damit ist doch ein hoher Aufwand für den Anwender, also ihren Kunden, verbunden.
Ich denke, wie viele soziale Netzwerke ein Mensch braucht, soll jeder selbst entscheiden. Unseren Mitgliedern wollen wir auf Xing alles bieten, um sich beruflich optimal zu vernetzen. Für Privates kann es Sinn machen, parallel andere Plattformen zu nutzen. Ich kenne viele Leute, die ein Problem damit haben, einen Arbeitskollegen in anderen sozialen Netzwerken als „Freund“zu bestätigen, weil er dann Zugriff auf private Inhalte, wie etwa die letzten Urlaubsbilder haben könnte.

Haben Sie selbst Profile in anderen Social Networks?
Ja, für private Dinge und natürlich auch um zu sehen, wie sich soziale Netzwerke weiterentwickeln. Twitter finde ich zum Beispiel aktuell sehr spannend.

Welche Bedeutung haben aus Ihrer Sicht Aggregatoren, wie zum Beispiel Friendfeed?
Aggregatoren werden im Internet populärer, besonders bei gut vernetzten Menschen mit hohem Informationsbedarf. Sie dienen auch dazu, Übersicht zu schaffen, in der Masse an Informationen, die das Internet bietet. Wir haben uns mit der Übernahme des New Yorker Web-Services socialmedian das Know-how für die Integration von sozial gefilterten Nachrichten gesichert. Unsere neue Applikation Xing News greift auf diese Technologie zurück: Damit können Xing-Mitglieder Nachrichten von ihrem Netzwerk filtern lassen. Das bedeutet, sie erhalten nur die Nachrichten, die für sie relevant sind.

Wie wichtig sind die Premium-Mitglieder für Xing? Lars Hinrichs sagte einmal „Das Businessmodell von Xing lautet 5,95“, ist das immer noch so?
Das Xing bereits zum Start im Jahr 2003 erfolgreich Premium-Mitgliedschaften eingeführt hat ist für uns nach wie vor ein Wettbewerbsvorteil.  Kein anderes soziales Netzwerk weltweit hat mehr zahlende Mitglieder als Xing und so sind wir in der komfortablen Lage, die Weiterentwicklung unserer Plattform aus eigener Kraft zu finanzieren.

Das Subskriptionsgeschäft ist und bleibt deshalb unser Kerngeschäft. Darüber hinaus haben wir mit den Bereichen Advertising und Jobs & BestOffers zwei zusätzliche Erlösquellen etabliert, die bereits ca. 20 % unseres Umsatzes ausmachen.

Welche Geschäftsbereiche werden zukünftig wichtiger für das Unternehmen? Wie sieht die Zukunft von Xing aus?
Wir wollen den Mehrwert von Xing kontinuierlich steigern und damit die Aktivität unserer Mitglieder  noch stärker fördern. Darüber hinaus wollen wir natürlich auch, dass unsere Community wächst. Allein in unseren Heimatmärkten, Deutschland, Österreich und der Schweiz, sehen wir mehr als genügend Wachstumspotenzial, um unsere Mitgliederzahlen in den nächsten Jahren zu verdoppeln und auch im Ausland wollen wir weiter wachsen.

Gibt es neue Features, auf die sich die Xing-User besonders freuen dürfen?
Mittlerweile beschäftigen wir mehr als 80 Entwickler, die täglich an neuen Features arbeiten  und wir haben einige spannende Projekte in der Pipeline. Mit dem Start von OpenSocial haben wir die technischen Voraussetzungen geschaffen, um unseren Mitgliedern auch Business-relevante Features von Drittentwicklern anbieten zu können. Darüber, welche Features und Anwendungen wir genau launchen werden, möchten wir aber erst sprechen, wenn sie eingeführt werden.

Zu guter letzt noch eine eher spekulative Frage … Sie sagten kürzlich in einem Interview, Xing plane aktuell keine neuen Akquisitionen in Nordamerika. Darf man dies als so etwas wie ein Friedensabkommen mit LinkedIn verstehen, die in Europa nur sehr schwer Fuß fassen?
Wir nehmen jeden Wettbewerber ernst, orientieren uns bei der Weiterentwicklung von Xing jedoch eher an unserer eigenen erfolgreichen Wachstumsstrategie. Bei der Expansion unseres internationalen Geschäfts haben in den letzten Jahren einiges erreicht: Von unseren weltweit mehr als 7,5 Millionen Mitgliedern stammen rund 4,3 Millionen aus dem nicht-deutschsprachigen Raum. Deshalb haben wir in unseren Kernmärkten wie Spanien, Italien und der Türkei regionale Teams aufgebaut, die die lokalen Xing-Netzwerke betreuen. Denn auch auf Xing gilt: (most) business is local. Wir werden also weiter in unser internationales Geschäft investieren und unsere internationale Expansion vorantreiben. Dabei setzen wir vorrangig auf organisches Wachstum. Weitere Akquisitionen stehen aktuell nicht an, wären aber durchaus denkbar. Wir beobachten das Marktgeschehen und wären handlungsfähig, falls sich günstige Gelegenheiten ergäben.

Vielen Dank für Ihre Einblicke in das Unternehmen und in Ihre Arbeit, wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei und mit Xing!

Weitere Informationen über Stefan Groß-Selbeck und die Xing AG finden Sie hier:
Stefan Groß-Selbeck
Xing AG


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