Das Internet teilt die Republik
Roland Panter | Mittwoch, Juni 3rd, 2009 | No Comments »Wer bei der Überschrift an die alte Ost-West-Trennung denkt, liegt daneben. Das Internet spaltet Deutschland in Menschen, die es aktiv nutzen (können) und die Menschen, die keinen Internetzugang haben. Für aktive Internetnutzer ist es fast unvorstellbar ohne das Netz zu leben, geschweige denn, dass man sich vorstellen kann, das andere es nicht nutzen. Aber etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung gehört zu denen, die keinen Zugriff auf das Internet haben (Siehe ARD/ZDF-Onlinestudie 2009).
Internet ergänzt zunehmend klassische Medien
Die klassischen Medien, also Printmedien, Radio und Fernsehen, setzen vermehrt darauf, zusätzliche Informationen im Internet anzubieten. Wer also nur auf die klassischen Medien zugreifen kann, hat häufig nur erschwert die Möglichkeit sich mit ergänzenden Hintergrundinformationen zu versorgen. Eine gefährliche Tendenz, denn mit Information geht Bildung einher und bereits jetzt ist die Bildungselite im Netz anzutreffen (Siehe hier).
Aber auch alltägliche Dinge, wie der Handel mit Waren, die Urlaubsbuchung, der Preisvergleich über das Internet ist heute ebenso selbstverständlich, wie Kommunikation über Email und Social Networks. Jedoch nur für jene, die drin sind, im Internet. Damit verbunden steigen die Nachteile für Menschen ohne Zugang zum Internet. Dazu kommen noch aufzuholende Erfahrungen in Bezug auf Medienkompetenz für das Internet.
Die Älteren sind auf dem Vormarsch
Würde man vermuten, dass überwiegend junge und technikaffine Personen das Internet nutzen, steht dem nicht erst seit diesem Jahr ein anderer Trend entgegen. Immer mehr Personen über 50 Jahre nutzen das Internet täglich. Das zeigt, das eben nicht nur die digital Natives – also jene Generation, die bereits mit dem Internet aufgewachsen ist – das Internet als Informationsquelle nutzt.
Politik hat ein gespaltenes Verhältnis zum Internet
Das Internet ermöglicht auch auf der politischen Ebene eine neue Form der Mitsprache. Spiegel Online veröffentlichte dazu einen treffenden Artikel (Zum Artikel) und auch im Handelsblatt-Blog wird kritisch die Stimme erhoben (Zum Beitrag). Dort ist es als Generationskonflikt beschrieben, jedoch handelt es sich letztendlich sich eher um Anwender und Nichtanwender, die von der Politik wahrgenommen werden oder eben nicht.
Heute haben es die Internetnutzer relativ einfach, sich in Fragen politischer Meinungen Gehör zu verschaffen. Das kann zu Verzerrten Bildern führen, denn es entsteht schnell der Eindruck, das jene, die man am deutlichsten vernimmt eine Mehrheit repräsentieren. Als Ergebnis kann das bedeuten, dass das politische Geschehen eher vom Online-Deutschland beeinflusst wird, als den Bürgern ohne Internetanschluss.
Resümee: Internet muss für alle zugänglich sein!
Die Lösung für diese Nachteile kann man nur mit einer allgemeinen Zugänglichkeit des Internets erreichen. Politik und Bürger müssen begreifen, das Internet genauso zu den relevanten Medien gehören, wie Tageszeitung und das Radio- oder Fernsehprogramm.