Das Netz regiert mit
Gepostet von Roland Panter am 7. Juni 2010 in Network Relations | 1 Kommentar
Politische Meinungsäußerung und damit verbunden die politische Meinungsbildung hat immer öfter etwas mit Internet zu tun. Da liest man in der FAZ beispielsweise von einem Blogger, der den Bundespräsidenten zum Rücktritt bewegt hat (Zum Artikel). Oder man liest bei Twitter jede Menge über die anstehende Wahl für den Nachfolger im Amt des Bundespräsidenten. Die einige Zeit diskutierte Kandidatin der CDU, Ursula von der Leyen wurde im Internet für ihr Engagement beim Zugangserschwerungsgesetz abgestraft. Man erinnert sich noch gut an Zensursula – so ihr Spitzname aus dieser Zeit. Der Medienwissenschaftler Prof. Peter Kruse formuliert es bei Twitter so “Nach der ersten Überraschung über die eigene Wirkungskraft erproben die Netze nun gezielt ihre politische Macht.”
Aktuell politisiert das Netz über die beiden tatsächlichen nominierten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, Christian Wulff und Joachim Gauck. Letzterem fliegen vielerorts im Internet die Sympathien zu. Ein Charakterkopf, den man gefahrlos toll finden darf. Auch, weil die Oppositionsparteien recht geschickt direkt und indirekt das Meinungsbild in den sozialen Medien steuern. Dem CDU-Mann Christian Wulff sagt man etwas Farblosigkeit nach, das merkt man nun auch im Netz. Und dass, obwohl er sehr interessiert an den neuen Medien und deren Einsatz ist. Er hat keine Internetlobby, bzw. zumindest keine prominenten Webfürsprecher.
Internet ist Revolution?
Gauck ist grad schick im Netz, das merkt man auch an Einzelaktionen bislang nicht politisch in Erscheinung getretener Personen. So einer ist zum Beispiel Thomas Pfeiffer, der sich bislang durch seine statistischen Auswertungen rund um das Themenfeld der deutschsprachigen Twitterer auf sich aufmerksam gemacht hat. Im Stile eines Che Guevara präsentiert Pfeiffer einen digitalen Gauck, der durch Bekenntnisse bei Twitter mit den Profilfotos der Bekenners um einen Mosaikbaustein erweitert wird (Aktion “My Gauck”). Es hat den Geschmack von Revolution, der im Internet gerne instrumentalisiert wird. Eine Gratwanderung zwischen Meinungsmache und eigener Profilierung. Und bei dieser Vorlage wundert es nicht, dass im Internet bekannte SPD-Anhänger, wie beispielsweise der Hamburger Nico Lumma, nun auf das bereits gesattelte Pferdchen aufspringen (Blog: Wir für Gauck). Und das, obwohl genau jener Nico Lumma zuerst sehr konstruktiv fragte “Wenn “wir” GEGEN von der Leyen als Bundespräsidentin sind, FÜR wen sind “wir” dann?”
Parteien sollten das Internet ernst nehmen
Die Diskussion um die Kandidaten zeigt wie sichtbar politische Themen im Internet diskutiert werden. Das Web kann ein guter Gradmesser für ein Meinungsbild sein, muss es aber nicht, denn immer noch sind viele Menschen nicht täglich im Internet, geschweige denn an solchen Diskussionen beteiligt. Die Kraft liegt im Dialog. Es gelten dabei nahezu die gleichen Regeln, wie für Unternehmen, wenn diese Social Media für sich einsetzen möchten. Erst zuhören, dann mitreden. Wer nicht von vorne herein durchfallen möchte, für den ist es unabdingbar die Menschen im Internet ernst zu nehmen. Die vergangene Regierungskoalition aus CDU und SPD tat dies zum Beispiel nicht und ignorierte die vorgetragene Kritik rund um das Zugangserschwerungsgesetz konsequent. Ein politisches Opfer im Nachhinein ist nun Ursula von der Leyen (siehe oben).
Das Netz ist politisch
Transparenz von Meinungen ermöglicht es heute politische Trends zu bestärken und zu schwächen. Aber auch ohne das Netz sind die jeweiligen Meinungen in der Bürgerschaft manifestiert. Man staunt häufiger, wie klar die Gedanken vieler Bürger in Bezug auf politische Themen sind. Da wird nicht nur eine vorgegebene Meinung der Medien wiedergegeben, auch, wenn diese beispielsweise durch eine große Tageszeitung mundgerecht aufbereitet worden ist. Ein großer Teil unserer Bevölkerung macht sich eigene Gedanken über die politischen Ziele unseres Landes.
Nur, es hört Ihnen niemand zu. Die Reichweite ist zu gering. Politische Macht hat nur der, der Reichweite hat – so könnte man es zusammenfassen. Diese Reichweite wird nun durch das Internet möglich. Ist das eine Erkenntnis, der sich die Politik nun anpassen muss?
Was meinen Sie?
Gut geschrieben Roland und vor allem die richtige Frage gestellt, eine Frage der sich die Politik aber auch endlich stellt. Ja Politik muss im Internet stattfinden, bzw. in den Medien die Dialog möglich machen, denn nur so kommen wir wieder an den Punkt, bei dem alle Macht vom Volke ausgehen kann. Einst traf man sich am Think Born oder bei den Römern auf dem Forum, inzwischen sitzt Politik aber im Elfenbeinturm und Volk hatte sich damit abgefunden eh nicht mit reden zu können. Das ändert sich durch die Social Medias und parallel zu der wachsenden Zahl derer die verstehen, dass sie wieder mitreden können, muss eben auch die Zahl der Politiker wachsen, die den Elfenbeinturm verlassen und wieder auf´s Forum hinaus treten. Aktuell bin ich ganz froh darüber, dass meine Partei da etwas schneller dazu lernt als die Anderen