Journalismus verändert sich durch Social Media
Roland Panter | Montag, März 30th, 2009 | No Comments »Gedruckte Zeitungen sterben derzeit, den Startschuss gab in der vergangenen Woche die Chicago Tribune in den USA. Diese erscheint jetzt nur noch als Online-Medium. Weitere große Titel stehen ebenfalls kurz vor dem aus, wenn man den Medienberichten glauben schenkt. Was bedeutet das?
Die Medienlandschaft verändert sich
Ausgelöst durch den Informationsüberfluss aus dem Internet verändern sich die Wege zur Informationsbeschaffung. Heute sind Google und Co. die ersten Recherchemedien. Und das Internet ist schneller. Spätestens seit Twitter und der Notwasserung des Flugzeugs auf dem Hudson, wissen wir, wie man eine Nachricht in weniger als einer Stunde auf der ganzen Welt verbreiten kann. Zeitungen schaffen das nicht. Sie dokumentieren es nur noch.
Der Journalismus bekommt Wettbewerb
Der klassische Journalismus bekommt durch das Internet mehr und mehr Wettbwerb. Bisher wurden Informationen von Journalisten gefiltert, bewertet und hinterfragt, bevor diese über die Publikation eine Öffentlichkeit erfuhren. Das Internet bietet auch hier Alternativen für den Gang an die Öffentlichkeit. Bürgerjournalismus heißt das dann und meint insbesondere Blogs. Ariana Huffington, die „Königin der Blogger“, gab sueddeutsche.de dazu ein interessantes Interview (Zum Artikel).
Die Zukunft der Medien – auch eine Frage der Ethik
Qualitätsjournalismus, das kann der Wettbewerbsvorteil redaktionell geführter Medien sein. Wäre da nicht der schleichende Vertrauensverlust in eben diese Qualität der Berichterstattung. Dieser resultiert aus einer veränderten Aufbereitung. Aus Information wird Meinungsmache – nicht mehr nur bei den großen Boulevard-Zeitungen. Diese Art des Journalismus ist vermehrt auch in den „seriösen“ Titeln anzutreffen.
Recherche wird zur Nebensache
Ein Indiz dafür sind zum Beispiel Fotografien, die aus dem Internet geladen und ohne abgeklärte Rechte genutzt werden. Zugrunde liegt dabei meist die kaufmännische Abwägung zwischen potenziellen Ertrag und der Höhe der Schadensersatzklage. Dazu wird flüchtig und unsauber recherchiert und teilweise sogar bewusst verfälscht. Und genau das sind Vorwürfe, mit denen sich der professionelle Journalismus auseinandersetzen muss.
Der aufkeimende Bürgerjournalismus ist gerade an dieser Stelle im Vorteil, denn hier müssen keine Auflagen verkauft werden. Und auch den Kommentar-ähnlichen Charakter manches Artikels verzeiht man hier sehr leicht. Hier kann sich guter Journalismus auf der Basis ethischer Werte glaubwürdig differenzieren. Und das ist die Chance für die Verlage.