Stefan Groß-Selbeck: „Das Prinzip der ‘walled gardens’ hat sich überlebt“
Roland Panter | Donnerstag, Juli 2nd, 2009 | No Comments »In unregelmäßigen Abständen befragt Network Relations Fachleute, Trendsetter, Forscher und Mitmacher aus dem Bereich Social Media. Diesmal sprechen wir mit Stefan Groß-Selbeck, seit Januar 2009 der neue CEO der Xing AG. Der vorherige Geschäftsführer von Ebay Deutschland übernahm den Job von Gründer Lars Hinrichs, der in den Aufsichtsrat wechselte.
Network Relations: Herr Groß-Selbeck, Sie sind nun ein halbes Jahr bei Xing in Amt und Würden, wie schmeckt Ihnen Xing mit seinen vielen Mitgliedern und deren vielen Wünschen?
Stefan Groß-Selbeck: Ich denke, es waren gute erste Monate und freue mich besonders darüber, dass wir Xing in der Zeit weiterentwickelt und unser Innovationstempo deutlich beschleunigt haben. Dabei spielen die Wünsche unserer Mitglieder eine wichtige Rolle, denn von den Ideen, aber vor allem auch von den Verbesserungsvorschlägen und der Kritik unserer Nutzer lernen wir am besten, wie wir unsere Plattform weiter optimieren können. Deshalb haben wir vor kurzem das Feedback-Tool „UserVoice“ eingeführt, um die zahlreichen Wünsche und Anforderungen der Mitglieder zu bündeln und reibungslos in die Weiterentwicklung einfließen lassen zu können. Letzlich hängt unser Erfolg wesentlich davon ab, Geschäftsleuten ein immer effektiveres Netzwerken auf Xing zu ermöglichen, dass aber natürlich auch Spaß bringen soll.
Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen, haben Sie sich ganz klassisch beworben?
Lars Hinrichs und ich kennen uns schon länger und natürlich verfolge ich Xing als eines der erfolgreichsten deutschen Internet-Unternehmen seit Jahren mit großem Interesse. Ich bin selbst seit April 2006 Mitglied und kenne Xing selbstverständlich auch als Nutzer. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, Lars Nachfolger zu werden, war ich spontan begeistert.
Nach der kurzen Zeit kann man als Außenstehender schon deutlich eine andere Handschrift erkennen. Wie betrachten Sie Ihre Aufgabe, wo unterscheiden Sie sich von Lars Hinrichs?
Natürlich setzt jeder seine eigenen Akzente – das ist ja völlig normal. Ich sehe meine Aufgabe darin, Xing auf Wachstumskurs zu halten. Das setzt in erster Linie voraus, dass wir unsere Plattform so weiter entwickeln, dass sie immer mehr Wert schafft für unsere Nutzer. Wir sind schon heute das Business-Netzwerk mit der höchsten Aktivität weltweit – das zeigt, dass wir da auf einem sehr guten Weg sind. Denn nur zufriedene Nutzer kommen regelmäßig zurück auf die Plattform. Deswegen war es mir wichtig, gleich in meinen ersten Monaten eine Reihe von neuen Funktionen und Features auf die Seite zu bringen.
Wie wirkt sich das im Produkt aus, bzw. was davon bemerkt der Kunde – wo setzen Sie Schwerpunkte?
Mit den neuen Features bieten wir unsere Kunden bereits auf der eigenen Startseite mehr Möglichkeiten, sich erfolgreich zu vernetzen und ins berufliche Gespräch zu bringen. So haben wir z.B. die Funktionalität „Mitglieder, die Sie kennen könnten” eingeführt, die sehr gut angenommen wird. Über „Xing Mitglieder fragen“ können Nutzer jetzt Fragen an das gesamte Netzwerk stellen und es gibt mit den „Xing News“ auch Business-Nachrichten vom Handelsblatt, der Financial Times und anderen Medien direkt auf der Plattform, die kommentiert und zum Lesen empfohlen werden können. Außerdem haben wir auch Unternehmensprofile eingeführt, die kostenlos und automatisch angezeigt werden und die ersten OpenSocial Applikationen gelauncht. Das ist aber erst der Anfang und wir wollen das Innovationstempo weiter hoch halten.
Außerdem sind Recruiter eine wichtige Zielgruppe für unsere Mitglieder und damit auch für Xing. Unsere Plattform wird bereits heute von mehr als 40 Tausend Personalentscheidern und Headhuntern genutzt, um bestgeeignete Kandidaten für neu zu besetzende Positionen zu finden. Ein weiteres Schwerpunktthema ist und bleibt die internationale Expansion.
In diesem Zusammenhang fällt häufig der Begriff OpenSocial, ist diese neue Offenheit für Xing unabdingbar, um am Markt bestehen zu können?
OpenSocial ist ein sehr effizienter Weg, um unsere Plattform auch durch Anwendungen von Drittanbietern weiterzuentwickeln. Das Prinzip der „walled gardens“ hat sich überlebt und diese Standardschnittstelle schafft sehr vielseitige Möglichkeiten, zusätzliche Features und Services anbieten zu können.
Das wir mit Xing stark wachsen und erfolgreich als führendes europäisches Business Netzwerk agieren liegt allerdings nicht an einzelnen Features sondern daran, dass die Kontakte für das berufliche Fortkommen immer wichtiger werden. Das Arbeitsumfeld vieler Menschen verändert sich nicht nur wegen der Wirtschaftskrise schneller als je zuvor: Berufstätige wechseln immer häufiger den Arbeitgeber, Branche oder auch die Region. Sie müssen sich immer öfter bei neuen Zielgruppen ins Gespräch bringen und benötigen dazu ein effizientes Tool.
Über Xing können Geschäftsleute aber nicht nur vorhandene Kontakte pflegen, sondern auch neue Kunden hinzugewinnen, qualifizierte Mitarbeiter oder einen neuen Job finden. Dies sind nur einige Gründe warum immer mehr Berufstätige erkennen, dass persönliche Kontakte die besten Türöffner sind.