Studie von Web.de für Social Networks ohne Aussagekraft?
Gepostet von Roland Panter am 21. Februar 2009 in Forschung, Social Networks, Studien | Kommentare deaktiviert
Anfang Februar präsentierte das Unternehmen Web.de eine aktuelle Studie über das Kommunikationsverhalten von Internet-Nutzern in Deutschland (Artikel dazu bei FAZ.net). Die Studie wurde von Convios Consulting GmbH und der Universität Augsburg im Auftrag von Web.de durchgeführt. Die Kernfrage beschäftigte sich mit der Ermittlung der bevorzugten Kommunikationsformen in Social Communities. Die Kernaussage der Studie lautete diesbezüglich:”E-Mail ist unverändert das mit Abstand stärkste Kommunikationsmittel im Internet. Soziale Netzwerke haben keinen nachhaltigen Einfluss auf die Nutzung von E-Mail. Solche Kommunikationsservices werden vielmehr als zusätzliches Angebot verstanden.”
So hat fast jeder Internet-Nutzer mindestens eine E-Mail Adresse, jedoch nur 58 % der User engagieren sich in Social Networks. Diese werden überwiegend von jungen Leuten genutzt, wobei die Altersgrenze bei 25 Jahren liegt. Gründe dafür sind überwiegend die sich verändernden Lebensumstände. Mit zunehmendem Alter erhalten Familie und Berufe ein größeres Gewicht im Alltag. Kontakte werden vertieft, während die schnelle und oberflächliche Kommunikation in Social Networks dem veränderten Anspruch nicht standhalten.
Analyse der Studie lässt deren Validität anzweifeln
Bei der Betrachtung einzelner Auswertungen der Studie kommen Widersprüche hinsichtlich der generellen Aussagekraft für die Verwendung von Social Networks ans Tageslicht. Insbesondere die Zielgruppensegmentierung innerhalb der Studie wirft unter anderem folgende Fragen auf:
- Warum werden die “Über 24-jährigen” in einer undifferenzierten Gruppe zusammengefasst?
- Wie kommt die vage Zielgruppensegmentierung zustande (“unter 20 Jahre” / “20-24 Jahre” / “über 24 Jahre”)?
- Warum ist die ältere Zielgruppe gleichzeitig aber offensichtlich überproportional repräsentiert?
Betrachtet man einzelne Werte sorgfältig, stellt sich uns die Frage, ob das Medium E-Mail überproportional in der Relevanz bewertet werden soll?
Studie hat keine wirkliche Relevanz in Bezug auf Social Networks
Die Studie sagt, dass vor allem junge Leute bis 24 Jahren diverse Social Networks kennen. Internetnutzern über 24 sind die verschiedenen Anbieter hingegen noch verhältnismäßig wenig bekannt, was daran leigt, dass ältere User neue Techniken in der Regel sehr viel langsamer adaptieren, als jüngere. Zudem werden die heute noch jungen Nutzer in wenigen Jahren zu den etablierten Routiniers der Social Network Gemeinden zählen.
Betrachtet man nun die tatsächliche Nutzung von Social Networks, fallen einem die Durchschnittswerte insbesondere im Hinblick auf die Repräsentanz der Altersgruppen ins Auge. So nutzen zwar 75,4% der unter 20-jährigen SchülerVZ, so wie 16,0% der 20 bis 24-jährigen und 1,8% der über 24-jährigen. Der Durchschnittswert zeigt aber gerade mal 8,8% aller Nutzer an. Hingegen wird StayFriends von nur 7,0% der unter 20-jährigen und 17,3% der 20 bis 24-jährigen benutzt, während 35,8% der über 24-jährigen mit dem höchsten Wert angezeigt werden. Der Durchschnittswert von 31,7% verwundert da und lässt nur den Schluss zu, dass die Gruppe der über 24-jährigen in dieser Studie überrepräsentiert ist.
Es ist naheliegend, zu fragen, wie diese Studie wohl in fünf Jahren aussehen würde? Insbesondere, wenn die heute 20-jährigen zu den Älteren zählen und die über 24-jährigen sich mit der neuen Technik angefreundet haben?
Aussagekräftigere Studie der Universität der Bundeswehr München, Fakultät Informatik
Eine andere, ernstzunehmende Studie zur Nutzung von Social Networks bietet umfangreichere Ergebnisse. Die Studie Der Einsatz von Social Networking Services im Unternehmenskontext (Download: PDF-Datei) bietet deutlich differenziertere Ansätze zur Nutzung von Social Networks und ist aus unserer Sicht deutlich valider. Aber bislang leider nicht ganz so verbreitet in den Medien.