Gefahren durch falsch verstandenes Netzwerken
Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf eine Netzwerkveranstaltung und reden nur mit Menschen, die Sie bereits kennen. Gut, entweder sind Sie sehr bekannt oder Sie machen grad einen Kardinalfehler. Genau, wie man meine Aussage natürlich nicht pauschal gelten lassen kann – es gibt immer Gründe etwas anders zu machen.
Dennoch, viele Fehler entstehen durch falschen Ehrgeiz, mangelnde Medienkompetenz und Unerfahrenheit. Dazu gesellen sich diverse Stilblüten des menschlichen Charakters. Und ich könnte jetzt schon resümieren: Alles nicht so schlimm.
Aber!
Jeder von uns macht Fehler, wenn er sich auf neues Terrain begibt. Diese Fehler sind wichtig für eigene Erfahrungen und das situative Urteilsvermögen. Da ist es auch egal, ob man zu den Vorsichtigen oder den Ungestümen gehört. Fehler machen am Anfang alle. Jedoch ist ein Fehler beim Netzwerken selten Existenzbedrohend. Ich sage hier bewusst selten, denn es gibt natürlich Momente, in denen man alles auf eine Karte setzt und durch einen kleinen Fehler evtl. (alles) verliert. Das ist jedoch eher selten der Fall.
Welche Fehler kann man beim Netzwerken machen?
Es sind die gleichen Fehler, die im realen Leben über Sympathie, Antipathie und die vielen Zwischenstufen entscheiden: Zu laut, zu fordernd, zu unangenehm. Und das gilt im realen Treffen genauso, wie beim Netzwerken im Internet. Jeder Beitrag, den man in einer Gruppe, einem Blog oder Microblog veröffentlicht, ist ein Abbild der eigenen Persönlichkeit. Zumindest wird er so betrachtet, denn die Summe Ihrer Beiträge ermöglicht es anderen Usern Sie zu beurteilen. Das ist im realen Treffen ungleich Facettenreicher, denn Themen wie Kleidung, Körpersprache, Geruch, Lautstärke und andere Faktoren kann man in einem Online-Medium in der Regel nicht wahrnehmen.
Unangenehme Charaktereigenschaften, wie Egoismus, Egozentrik, Besserwisserei und auch die berühmte Forenpolizei fallen dagegen auch Online schnell auf. Und wer es nicht schafft, diese Charaktereigenschaften auszublenden oder produktiv einzusetzen wird schnell isoliert oder vermutlich sogar deutliche Ablehnung erfahren.
Genauso wichtig ist es, an den richtigen Stellen zu Netzwerken. Ein Beispiel: Als BMW-Fahrer habe ich es im Audi-Netzwerk vermutlich schwer, Zustimmung für meine Meinung zu erhalten. Im BMW-Netzwerk dagegen wird es spielend einfach sein, interessante Gespräche zu finden. Am falschen Ort zur falschen Zeit … ärgerlich.
Aufmerksamkeit erzeugen – aber nicht um jeden Preis
Brian Solis sagte heute bei der Next09 in Hamburg sinngemäß „Aufmerksamkeit wird die wichtigste Währung“ (Hier ein Artikel zu seinem Vortrag). Nur, wer wirklich Botschaften hat, wird Aufmerksamkeit erzeugen und eine eigene Persönlichkeit entwickeln.
Viele machen den Fehler das Verhalten von vermeintlichen Idolen und Vorreitern zu kopieren. Und überall gibt es Listen mit Dingen, die man tun und lassen soll. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Eine billige Kopie des Idols ist und bleibt eine billige Kopie. Nur mit der eigenen und individuellen Persönlichkeit kann man langfristig punkten. Und gerade Persönlichkeiten haben im Regelfall sehr viel mehr Facetten, als diese mitunter kuriosen „Do & Don’t“-Listen. Was allerdings nicht ausschließt, dass die grundsätzliche Tendenz der Vorschläge auf den meisten Listen richtig gut ist.
Man hat es also selbst in der Hand, ob man die Öffentlichkeit in den Netzwerken – sei es real oder im Internet – für sich nutzen kann. Ob man vielleicht berühmt und anerkannt wird oder zu trauriger Berühmheit gelangt.
Der größte Fallstrick: Soziale Systeme sind nicht berechenbar
Unberechenbare Reaktion innerhalb sozialer Systeme können Ihre Netzwerkarbeit enorm behindern. Sie können zum Beispiel beim Online-Netzwerken an einen dieser „Forenpolizisten“ oder „Besserwisser“ geraten, die nur mit KO-Argumenten um sich schmeißen und es im wesentlichen auf Zerstörung anlegen. Da ist guter Rat teuer und gute Vorbereitung um so wichtiger. Grundsätzlich kann man in diesem Moment sagen: Alle Handlungen einstellen und nicht auf diese Person eingehen. Jede öffentliche Diskussion dieser Art wird Ihnen schaden, denn hier geht es nicht mehr um Inhalte. Dazu gilt der unter Onlinern sehr beliebte Satz: Don’t feed the Trolls – geben Sie diesen Charaktären kein weiteres Futter, keine neue Angriffsfläche.
Neu ist bei diesem Aspekt, dass man bislang meinte, diese Angriffe passieren nur in der anonymen Welt der Nicknames. Spätestens seit Xing wissen wir jedoch auch, dass diese Unart auch unter Realnamen praktiziert wird. Erfahrene Community Manager, wie zum Beispiel Silke Schippmann von Xing können ein Lied davon singen. Alle unangenehmen Charaktereigenschaften sind Online genauso präsent, wie im realen Leben. Sie treten vereinzelt sogar noch intensiver auf, da man ja aus einer vermeintlich sicheren Deckung schießt. Darauf sollte man vorbereitet sein.
Netzwerken sollte Spaß machen
Wer offen und mit Freude netzwerkt, wird eben solche Erfahrungen machen. Wer Verbissenheit an den Tag legt, wird auch dies erfahren. Somit könnte man die Reaktionen auf das Netzwerken als einen Spiegel der eigenen Verhaltensmuster betrachten. Viel Spaß!
Gerne beraten wir Sie für den strategischen und professionellen Einsatz von Netzwerken. Sprechen Sie uns an.
Social Media und die Tücken des Mitmach-Journalismus
Seit einiger Zeit gibt es das Magazin „Der Freitag“, eine inhaltlich und auch optisch sehr ansprechende Zeitung auf Papier. Soweit nichts ungewöhnliches. Dennoch rumort es deutlich vernehmbar im Umfeld des Blattes. Denn anders, als andere Zeitungen existiert neben der Papierversion eine eigene Der Freitag-Bloglandschaft – Die Community, wie es Der Freitag nennt. Dort können von angemeldeten Nutzern in eigenen und fremden Blogs Themen veröffentlicht und kommentiert werden. User generated Content im Umfeld eines journalistisch gedachten Titels. Mitmach-Journalismus im Web 2.0, mit immerhin schon 20% Leserbeiträgen in der Printausgabe.
Die Krise und das Krisenmanagement
Nun gibt es vernehmbare Kritik auf mehreren Ebenen. Verleger Jakob Augstein bezieht dazu ausführlich in seinem Blog Stellung (Hier den Beitrag lesen). Technische Mängel werden anerkannt und Besserung gelobt. Und auch das Kritikverhalten wird kritisiert. Die verschiedenen Kommunikationseben werden dabei geschickt erläutert – eine wichtige Maßnahme bei der Deeskalation. Eine durchdachte und schlaue Reaktion, wie wir finden.
Trotzdem gibt es verschiedene Punkte, die auf einen fortwährenden Konflikt zwischen Machern und Mitmachern hinweisen:
- Nichts wird im Meinungs-Internet so intensiv, kontrovers und auch undiszipliniert diskutiert, wie Politik. Jeder hat eine Meinung und viele Argumente, diese zu vertreten.
- Als Redaktion hat Der Freitag zusätzlich eine eigene (Verlags)Meinung. Diese wird von der mitmachenden Öffentlichkeit ebenfalls kontrovers bewertet.
- Gruppendynamische Prozesse bieten zusätzlichen Nährstoff für Konflikte.
- Im Reizklima politischer Diskussionen ist eine neutrale Moderation notwendig – die gibt es scheinbar nicht.
- Nahm man früher an, dass nur Nutzer nur aus der Deckung der Anonymität heraus flamen und spammen, so weiß man spätestens seit Xing, dass es auch trotz des Bezuges zur realen Identität intensiv passiert.
- Jakob Augstein gibt zu, dass er und sein Team aus einem papierjournalistischem Umfeld kommen. Die Dynamik und manchmal erschlagende Offenheit von Social Media hat er nicht verinnerlicht.
Dennoch: Wir finden das Projekt Der Freitag toll und hoffen, dass diese Startschwierigkeiten überwunden werden. Mitmach-Journalismus ist eine der Chancen, aus Social Media heraus vielfältige Meinungen abzubilden.
Aus den gemachten Fehlern kann man zudem viel lernen. Insbesondere, die Bedeutung von neutraler Moderation und offener Kommunikation für diese Art Medium wird deutlich. Ebenso, wie die Tatsache, dass Social Media anders funktioniert als „Print“, denn die kritische Lesermeinung ist nur einen Klick entfernt. Das gilt für Presse gleichermaßen, wie für Communities. Und es macht deutlich, wie wichtig sensibles und medienkompetentes Agieren in diesem Umfeld ist.
Gruppenebene in Sozialen Netzen nutzen
In der Gruppenebene Sozialer Netzwerke treffen viele Menschen gleicher Interessengebiete zusammen. Dort wird Wissen ausgetauscht, gefachsimpelt, gelegentlich etwas angegeben und es werden dort Kontakte geknüpft, gepflegt und vertieft. So, wie wir es vom realen Leben kennen.
Interessenvielfalt bedeutet Gruppenvielfalt
Xing, das sicherlich wichtigste Business-Netzwerk im deutschsprachigen Raum, hat zum Beispiel über 14.000 verschiedene Gruppen (Stand Januar 2009). Gesteuert wird das Leben in den Gruppen dort von über 35.000 Moderatoren, die ehrenamtlich aktiv sind. Diese beeindruckenden Zahlen zeigen, wie vielfältig das Angebot an Themen und zugleich der Wunsch nach Austausch ist. Damit verbunden ist stetiges Wachstum der Mitgliederzahlen in den Gruppen. Die größten Gruppen bei Xing werden in Kürze das 100.000. Mitglied begrüßen, das ist beeindruckend.
Gruppen sind offen zugänglich
Ist es gar nicht so einfach in einem Print-Titel mit 100.000 Lesern Erwähnung zu finden, so können Sie in den Gruppen bei Xing spielend leicht mitmischen. Mit verschiedenen Methoden können Sie dort auf sich, Ihr Unternehmen und Ihre Leistungen aufmerksam machen. Aber Vorsicht, das funktioniert im Guten, wie im Schlechten. Grundsätzlich gilt, das die Häufigkeit Ihrer Meldungen auch die Wahrnehmung oder Bekanntheit steigert. Frequenz allein ist jedoch kein funktionierendes Rezept. Neben Quantität ist vor allem Qualität gefragt. Ähnlich der Publikationen in Zeitungen, wo eine Preselektion der Inhalte durch die Redaktion stattfindet.
Gruppen in Sozialen Netzwerken sind keine Einweg-Medien
Jeder in einer Gruppe eingestellte Inhalt kann direkt von anderen Gruppenteilnehmern kommentiert werden, das erfordert höhere Wachsamkeit. Genau, wie Sie einem Konkurrenten einen mit einem schlechten Kommentar “auswischen” können – genauso angreifbar sind Ihre eigenen Inhalte. Entsprechend sorgsam müssen im Vorfeld verschiedene Szenarien durchgespielt werden. Das macht die Kommunikation in Gruppen zu einem komplexen Thema. Mit großem Erfolgspotenzial, wenn man es strategisch richtig angeht.
Geringe Streuverluste bei Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Werbung
Gruppen in Sozialen Netzwerken erlauben es wie kein anderes Medium, ganz gezielt Ihre Zielgruppe anzusprechen. Nirgendwo sonst, bekennen sich Menschen so öffentlich zu Themen. Das erlaubt es Ihnen, mit gut geplanten Kommunikationsmaßnahmen nahezu frei von Streuverlusten Ihre Botschaften zu vermitteln. Und das in einem Umfeld von aktiven Multiplikatoren, der interessierten Informationselite in den Sozialen Netzwerken.
Am Besten planen Sie Ihre Maßnahmen in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Berater, der Gefahren und Risiken optimal einschätzen kann. So wird vermieden, dass Sie zum Beispiel durch schlechtes Timing unbeabsichtigt zum Spammer werden. Diesen Ruf wird man nur sehr schwer wieder los.
