Von Computern und Menschen
Roland Panter | Donnerstag, Januar 29th, 2009 | No Comments »Oder: Was ist Netzwerken eigentlich?
Früher sagte man „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat“. Heute ist man deshalb Networker. Das Ziel: möglichst viele nutzbringende Beziehungen aufzubauen, auszubauen und abzubilden. Das ist im Prinzip nichts Neues, denn schon immer versuchte man möglichst viele wertvolle Kontakte zu haben. Neu ist der einfache und unkomplizierte Zugang zu diesen Kontakten.
Los ging es in den Jahren vor dem Jahrtausendwechsel mit ersten Netzwerktreffen. Man ging zum First Tuesday und traf dort auf eine Menge internetaffiner New-Economy-Teilnehmer. Mit dem Untergang der New Economy verschwanden auch die Treffen, die immer noch sehr stark auf dem direkten, persönlichen Kontakt basierten und dezentral über elektronische Medien unterhalten wurden.
Mit den digitalen Netzwerken verändert sich dies Verhalten. Reale Kontakte gibt es dort natürlich auch, aber mehr und mehr werden rein virtuell basierende Kontakte geknüpft. Man lernt sich an einer zentralen Stelle im Netz kennen, verkehrt dort ausschließlich in der Schriftform in Foren oder über private Nachrichten und ist manchmal sehr überrascht, wenn man sich dann persönlich trifft. Eine neue Art des sozialen Umfeldes, das auch längst bei existenziellen Dingen, wie der Partner-„Recherche“ praktiziert und gelebt wird. Nestwärme aus der Internetleitung sozusagen.
Diese Art der Vernetzung nutzt im geschäftlichen Kontaktumfeld identische Vorteile, wie im Privaten. Dazu gehören der Vertrauensvorschuss in den Netzen, dass Gemeinschaftsgefühl und geringe Hemmschwellen bei der Kontaktanbahnung. So kommt es, das geschäftlich und privat längst virtuelle Freundschaften etabliert sind. Damit verbunden ist ein rasend schneller Austausch von Informationen. Sei es von Fachwissen und gegenseitiger Ausbildung oder bei der Verbreitung von Nachrichten.
Hier liegen Chancen für Unternehmen. Denn mit den Netzwerken verschwimmen private und berufliche Interessen. Zugänge werden über offen erkennbare Interessengebiete möglich, von denen man früher nur zufällig erfuhr. Das ist nur ein Aspekt, warum es heute für Unternehmen unerlässlich ist, über die eigenen Mitarbeiter Präsenz in den sozialen Netzen zu zeigen. So werden schnelle und unkomplizierte Kontakte zu neuen Kunden und Lieferanten möglich. Aber auch der Informationstransfer und die Innovationsrecherche sind sehr wichtige Themen für Unternehmen.
Durchdachte Strategien für Social Networks gehören heute zum Handwerkszeug bei den Kommunikationsmaßnahmen. Sie betreffen Werbung, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und PR gleichermaßen. Die Zahlen der Nutzer in den Netzwerken steigen weiter rasant. Und wer als Unternehmer nicht aufpasst, verpasst unter Umständen schnell den Anschluss an den Markt. Auch, wenn es heute vielleicht noch nicht so offensichtlich ist.