Wissen teilen oder doch lieber abgrenzen?

Eine wesentliche Funktionalität von Social Media ist der Zugriff auf Wissen und die Verbreitung von Wissen nach dem Prinzip “Was für mich interessant ist, könnte auch für Dich interessant sein”. Der Fachmann nennt das Social Search und beschreibt damit den Wissenstransfer, der durch die unmittelbare Umgebung stattfindet. Es werden unglaublich viele Informationen an einen herangetragen, die im täglichen Leben bereits auf diese Art und Weise gefiltert werden. Das kennen wir unter Stille Post, Tratsch und auf professionellem Niveau unter dem Transfer wichtiger Informationen “Ich habe dort etwas mitbekommen, das für Dich evtl. Relevanz besitzen könnte”.

Im Social Web wird nun ebenfalls eifrig Wissen geteilt, nicht erst seit der Share-Funktion bei Facebook. Bei Twitter wird retweetet und die Social Bookmarking Dienste bieten im Prinzip eine identische Funktionalität.

Weiter “sharen” oder doch lieber für sich behalten?
Vor Social Media haben Unternehmen Wissensvorsprung exclusiv für sich genutzt. Und dies geschieht mit großer Sicherheit auch noch heute. Dennoch sind die so genannten Walled Gardens innerhalb der Social media Szene etwas in Verruf geraten. Das Thema lautet Open Source. Wissen wird geteilt und dadurch einer breiteren Entwicklungsmasse zugeführt. So kommen bessere Ideen heraus, als würde man weiter hinter geschlossenen Türen werkeln. Wertschöpfung ergibt sich ebenfalls durch diese neu entstehenden Innovationen. Linux zeigt, dass dieses Prinzip funktionieren kann.

Offen ist die Frage, ob man diese Methodik zum Prinzip ernennen kann. Sind alle Inhalte und Entwicklung geeignet, um durch Sharing, Crowdsourcing und Co. höhere Ziele zu erreichen? Oder ist es vielleicht sogar mitunter sehr schädlich alles zu teilen?

Ist es ein Generationskonflikt?
Im Social web macht man die neue Offenheit gerne am Geburtsjahrgang fest. Der Digital Native (= nach 1980 Geborene) teilt gerne und weiß mit den verschiedenen Informationen effektiv zu jonglieren. Ältere Generationen dagegen haben gelernt gutes Wissen für sich zu behalten und haben große Probleme mit dieser Offenheit. Ist es nun ein gelerntes Verhalten? Oder ein Gesellschaftlicher Wandel, der in der Abwägung von Für und Wider errechnet hat, dass Offenheit mehr positive Aspekte hat als ein geschlossener Kreis an Wissensträgern? Vielleicht kann man es so beschreiben: Wer Wissen teilt, schenkt vertrauen, kann dafür aber auch bitter enttäuscht werden. Wo ist die Grenze?

Wo fängt man an zu teilen und wo hört man auf?
Alles zu teilen ist fast ein biblischer Ansatz, der nach meiner Betrachtung nicht gelebt wird und auch nicht vollumfänglich lebensfähig ist. Es wird selektiv geteilt und verheimlicht. Ein Aspekt, der sich auch in der Datenschutzdiskussion der Sozialen Netzwerke wiederfindet. Klar möchte man sein Wissen und seine Erlebnisse teilen, aber eben nur mit einem klar definierten Empfängerkreis. Die Grundidee von Facebook war da viel offener. Wer hier Wissen einstellte, teilt es gerne mit allen. Eine tolle Idee, die inzwischen von Datenschützern ausgehebelt wurde. Nicht ganz unberechtigt, denn bei totaler Offenheit droht auch Ungemach durch Missbrauch. Und wenn es sich um wertvolles Unternehmenswissen handelt, geht es schnell um viele Arbeitsplätze.

Deshalb meine Abschließende Frage: Wo fängt das teilen an und wo hört es auf? Gibt es eine Faustformel?